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Geschäftsbericht 2016-2017 Bezirksgruppe Stuttgart

flexible Arbeitszeit

Angeregte Diskussion: (v. l. n. r.) Eva Laun, Gerhard Wick, Gabriel Berger, Renate Luksa, Hans-Jürgen Bort

vergroessern

Arbeitszeitflexibilität kontrovers diskutiert

Gemeinsam mit den Südwestmetall-Bezirksgruppen Ludwigsburg, Neckar-Fils, Rems-Murr und Reutlingen greift die Bezirksgruppe Stuttgart regelmäßig im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Arbeitgeber im Dialog“ aktuelle politische und wirtschaftliche Problemstellungen auf. Am 8. November 2016 stand nun im Kunstmuseum Stuttgart die Frage im Mittelpunkt: Arbeitszeit, Freizeit, keine Zeit?

Unter der Moderation von SWR-Redakteurin Eva Laun diskutierten die Teilnehmer des Podiums die Herausforderungen, die sich in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergeben.

Auf dem Podium saßen:
■ Gabriel Berger, Geschäftsführer Tarifpolitik und Tarifrecht, Südwestmetall
■ Hans-Jürgen Bort, Director Human Resources Europe, Modine Europe GmbH
■ Renate Luksa, Gesamtbetriebsratsvorsitzende, TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG
■ Gerhard Wick, Erster Bevollmächtigter, IG Metall Verwaltungsstelle Esslingen

Einigkeit bestand bei den Diskutanten, dass das Arbeiten in einer digitalisierten Arbeitswelt das bisherige Arbeitszeitregime neu ordnen wird. Tätigkeiten sind zunehmend nicht mehr an eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort gebunden. Dadurch ergeben sich für die Unternehmen Flexibilisierungschancen für eine zeitnahe und bedarfsorientierte Bereitstellung von Arbeitsergebnissen. Arbeitnehmer wiederum gewinnen mehr Zeitsouveränität für eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

Bei der Frage, welche Lösungen anzustreben sind, um beiden Seiten gerecht zu werden, gingen die Meinungen dann aber auseinander. Kontrovers wurde auch darüber diskutiert, ob der derzeitige gesetzliche und tarifliche Rahmen für die Entwicklung zur Industrie 4.0 noch passt. Südwestmetall-Geschäftsführer Berger strich heraus, dass die Möglichkeit selbstbestimmter Arbeit immer unter dem Vorbehalt der Vereinbarkeit mit den betrieblichen Erfordernissen stehen müsse. Gesetzliche Regelungen wie z. B. die elfstündige Ruhezeit sind laut Berger nicht mehr zeitgemäß und müssen überarbeitet werden.

IG-Metall-Funktionär Wick erklärte hingegen, die bestehenden M+E-Tarifverträge böten schon umfangreiche Flexibilisierungsmöglichkeiten, die es nur zu nutzen gelte. Die gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer seien nach wie vor passend, so der Erste Bevollmächtigte. Es müsse verhindert werden, dass die Digitalisierung zu einer Entgrenzung der Arbeit und damit zu einer Mehrbelastung der Arbeitnehmer führt. Als Beispiel für bereits bestehende erhebliche Flexibilisierungsmöglichkeiten führte die Gesamtbetriebsrats-vorsitzende Luksa das kürzlich bei TRUMPF abgeschlossene „Bündnis für Arbeit 2021“ an. Dieses beinhalte ausgeklügelte Arbeitszeitmodelle, die sowohl dem Wunsch des Unternehmens nach mehr Flexibilisierung als auch den Bedürfnissen der Belegschaft nach agiler und den verschiedenen Lebensphasen angepasster Arbeitszeit Rechnung trügen.

Der Director Human Resources Europe bei Modine, Hans-Jürgen Bort, appellierte sowohl an die Führungskräfte als auch an die Beschäftigten, sich auf die neuen Möglichkeiten einzulassen und Verantwortung zu übernehmen. Zwar stelle die Gestaltung flexibler Arbeitszeitmodelle unter Auflösung der Anwesenheitskultur für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, aber neue Arbeitszeitsysteme seien immer auch eine Frage des gegenseitigen Vertrauens, so Bort.

Beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Cube“ wurde die angeregte Diskussion mit den Zuhörern fortgesetzt. Hier konnte man einen gewissen Konsens heraushören: Die Zukunft des Industriestandorts Baden-Württemberg werde auch davon abhängen, ob es allen beteiligten Akteuren gelingt, in Zeiten von Digitalisierung und E-Mobilität den Betrieben und ihren Arbeitnehmern den notwendigen Handlungsspielraum
für die Gestaltung der neuen Anforderungen zu eröffnen.

Fazit: Die Arbeitswelt der Zukunft wird umfangreiche Veränderungen mit sich bringen. Über die Auswirkungen wird weiter intensiv zu diskutieren sein.

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Datum: 21.1.2018

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